Luftfahrt als zusätzlicher Baustein im Wasserstoffzentrum
Meldung vom 19. August 2026
Nachdem das Bundesverkehrsministerium im Februar einen Förderbescheid für das Wasserstoffzentrum Pfeffenhausen (WTAZ) von 54 Millionen Euro überreicht hat, werden die Pläne nun immer konkreter. Die Verantwortlichen haben nun die letzte Sitzung vor der Sommerpause genutzt, um den Marktgemeinderat über den aktuellen Sachstand zu informieren. Die Schwerpunkte des WTAZ am Standort in Pfeffenhausen sind Wasserstoffantriebe sowie Betankungstechniken unter Einsatz von Flüssigwasserstoff, kryokomprimiertem Wasserstoff und gasförmigem Wasserstoff (H
2). Nach wie vor liegt dabei der Fokus auf dem Schwerlastverkehr – hinzukommen sollen jetzt auch der Kurzstrecken-Luftverkehr sowie Drohnen.
Bürgermeister Florian Hölzl betonte, dass dem Förderbescheid eine lange und intensive Vorarbeit voranging und erläuterte, dass die Gelder in einen Wasserstoffverflüssiger, eine wasserstoffbefähigte Testhalle und Prüfstände der Hochschulen Landshut, Regensburg und Ingolstadt fließen.
Spatenstiche für kommendes Jahr geplant
Dr. Tobias Brunner vertrat in der Sitzung den HyTACC Unternehmensverbund, der für den Bau des Wasserstoffverflüssigers und der wasserstoffbefähigten Testhalle verantwortlich zeichnet. Nicht zuletzt der hohen Förderquoten wegen seien die Verfahren komplex. Bei höchster Priorisierung sei für beide Teilvorhaben des Wasserstoffzentrums mit Spatenstichen in 2027 zu rechnen, so Brunner. Während der Verflüssiger Anfang 2028 in Betrieb genommen werden soll, sei dies für die Testhalle erst später in 2028 realistisch. Der Verflüssiger werde mit einer Direktleitung mit dem fünf Megawatt starken Elektrolyseur der Hy2B Wasserstoff GmbH verknüpft. „Der Verflüssiger funktioniert wie ein Kühlschrank“, erläuterte Brunner. Bei über minus 250 Grad Celsius sei der Kondensationspunkt erreicht, ab dem Wasserstoff flüssig werde. Grüner Flüssigwasserstoff sei ein rares Gut und die Nachfrage daher hoch. Im Wasserstoffzentrum würde dieser unter anderem für Tests von Nutzfahrzeug-, Sonderfahrzeug-, Kleinflugzeug- und Drohnenantrieben benötigt werden.
Prof. Sergej Diel von der TH Ingolstadt stellte als Sprecher des Forschungsverbunds deren geplante Testaktivitäten in dem Hallengebäude der HyTACC GmbH vor. Zur Betreuung der hochschuleigenen Teststände sei geplant, in jedem Fall acht Mitarbeiter ständig vor Ort zu haben. Hinzukämen projektbezogen weitere Mitarbeiter und Studenten. Weil anwendernah gearbeitet werde, sei es unerlässlich, Kooperationsvorhaben mit Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft aufzugleisen.
Hochschulen planen verschiedene Prüfstände
Die Hochschule Landshut werde einen thermischen Wasserstoffprüfstand für Wasserstoffdruckspeicher und Speicherkomponenten aufbauen und betreiben. Dieser werde mit umfangreicher optischer Diagnostik und eigens entwickelten Spezialsensoren für schnelle Temperatur- und Wärmestrommessung ausgestattet. Dabei sei diese Infrastruktur die Basis für Test-, Versuchs- und Simulationsreihen mit dem Ziel der Optimierung von schnellen Be- und Entladeprozessen. Die TH Ingolstadt plane die Errichtung eines Gesamtfahrzeugprüfstands für Nutzfahrzeuge mit Klimakammer und Simulatoren. Die OTH Regensburg übernehme die Errichtung und den Betrieb eines H
2-Verbrennungsmotorenprüfstands sowie eines Wasserstoff-Einblaseratenprüfstands.
Der flächenmäßige Bedarf der Projekte, die Berlin mit einem Förderbescheid versehen hat, erstreckt sich auf rund 15.000 Quadratmeter. Das sei ein bedeutender Aufschlag, betonte Hölzl. Und trotzdem sei hinreichend Platz für eine Weiterentwicklung über die nächsten Jahre.
Dr. Brunner betonte, dass man in enger Abstimmung mit dem Freistaat Bayern, der kommunalen Familie und den akademischen Partnern gerade in den vergangenen Wochen viel investiert habe, um das WTAZ noch breiter und damit schlagkräftiger werden zu lassen. Man habe eine vielversprechende Initiative gestartet, ein hochinnovatives Vorhaben in Pfeffenhausen anzusiedeln, das aber noch nicht mit Förderbescheiden hinterlegt sei. Ziel sei es, in der Partnerschaft weiterer Hochschuleinrichtungen, zu denen die Universität Augsburg, die TH Augsburg, die Hochschule Kempten und die Universität der Bundeswehr München zählen, einen wasserstoffbetriebenen und wasserstoffgekühlten Luftverkehrsantriebsstrang für Kleinflugzeuge zu entwickeln.
Luftverkehr nachhaltiger und wirtschaftlicher machen
Prof. Tobias Dickhut von der Universität der Bundeswehr München, der selbst aus der Raumfahrt kommt, beschrieb die Innovation des Vorhabens vereinfacht wie folgt: „Indem wir auf den tiefkalten Pfeffenhausener Flüssigwasserstoff zurückgreifen, können wir für Fluggeräte bestimmte Elektromotoren effektiv vor Überhitzung schützen und schaffen dadurch erhebliche Reichweitenvorteile.“ Wasserstoff komme damit nicht nur als Treibstoff, sondern auch als Kühlmittel zur Anwendung. Dies mache den Luftverkehr nicht nur nachhaltiger, sondern auch wirtschaftlicher. Daher habe dieses Projekt das Zeug dazu, eine kleine Revolution auszulösen. Dass das System funktioniere, habe man in den Hochschullaboren Augsburg und Kempten schon unter Beweis gestellt – jetzt gelte es, das Ganze in Pfeffenhausen hochzuskalieren. Man arbeite derzeit mit Hochdruck daran, die ersten Phasen, in die man schon 2027 eintreten wolle, auch finanziert zu bekommen. Prof. Dickhut vertrat hierbei das Konsortium aus Universität der Bundeswehr München, Universität Augsburg, Hochschule Kempten und Technischer Hochschule Augsburg (THA). Das innovative Antriebssystem wurde in einem Kooperationsprojekt zwischen Universität Augsburg und der THA entwickelt und als Demonstrator in Kempten getestet. Professor André Baeten, Sprecher des Konsortiums, Wissenschaftlicher Leiter des TTZ Gersthofen an der THA, Prof. Weihrich (Universität Augsburg) und Prof. Mehr (HS Kempten) freuen sich auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit in Pfeffenhausen.
Dr. Brunner ging abschließend auf die Schwerpunkte des ITZ-Standorts Pfeffenhausen ein. Man mache sich mit den anderen ITZ-Standorten in Deutschland keine Konkurrenz, sondern ergänze sich hervorragend. In Pfeffenhausen stünden Antriebstechnologien und Betankungstechnik für Schwerlastverkehr, Kurzstrecken-Luftverkehr sowie für unbemannte Flugobjekte (Drohnen) unter Einsatz von Flüssigwasserstoff (LH2), kryokomprimiertem Wasserstoff (CRYOGAS, CcH2) und gasförmigem Wasserstoff bei einem Druck bis zu 700 bar (CGH2) im Mittelpunkt. Das WTAZ biete dabei eine Wasserstoff-Grundinfrastruktur für das Testen, Prüfen und Zertifizieren.
Ziel: Nachhaltigkeitscampus auf dem Land
Bürgermeister Florian Hölzl dankte den unzähligen Personen, die sich oft auch im Stillen darum bemühen würden, dass das WTAZ Gestalt annehme. „Unser Ziel ist und bleibt ein Nachhaltigkeitscampus im ländlichen Raum, der Platz für technische Innovationen rundum Wasserstoff und Erneuerbare Energien bietet. Die weltweiten Krisen zeigen, wie ausgeprägt unsere Energieabhängigkeiten sind. Das WATZ kann einen kleinen Beitrag leisten, sich von diesen Abhängigkeiten zu lösen.“ Dass der Weg mitunter ein steiniger sei und Erfolge nicht schnell sichtbar werden würden, sei der kommunalen Familie von Beginn an klar gewesen. Dem pflichtete sein Stellvertreter Michael Wensauer (CSU) bei, der die Partner aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik aufrief, weiterhin zusammenzuhalten und ganzheitlich zu denken. Als Zukunftsaufgabe bezeichnete er es, gemeinsam aus der akademischen Arbeit heraus Unternehmen für den Standort Pfeffenhausen zu gewinnen.
Robert Mora (Grüne) zeigte sich angetan, dass das WTAZ immer konkreter werde. Die Umsetzungsgeschwindigkeit kritisiere er nicht. Ein organisches und überlegtes Entstehen des Projekts sei ihm deutlich lieber. Man müsse sich Zeit nehmen und dürfe sich nicht unnötig unter Druck setzen, so Mora. Dies gelte umso mehr, als die kommunalen Risiken aufgrund der Förderstruktur überschaubar seien, ergänzte Hölzl. Ruth Müller (SPD) versicherte ihre Unterstützung auch auf überörtlicher Ebene und begrüßte die stärkere Akzentuierung des Luftfahrtthemas. Im September soll diesbezüglich auch ein zweitägiger Fachkongress in Pfeffenhausen stattfinden.

Auch MdB Florian Oßner informierte sich in Pfeffenhausen zu den Luftfahrtplänen auf dem Wasserstoff-Campus: Dr. Tobias Brunner, Bürgermeister Florian Hölzl, Prof. Beaten, Prof. Dickhut, MdB Florian Oßner, Prof. Mehr, Prof. Weihrich und Dr. Körner (v.l.).