Energie- und Wärmewende vorantreiben: Marktgemeinderat beschließt Maßnahmenpaket

Meldung vom 19. September 2022

Die Energiekrise ist auch in Pfeffenhausen zu spüren: Fossile Energieträger sind knapp und werden immer teurer. Deswegen – aber auch, um im Bereich Klimaschutz voranzukommen – sucht die Marktgemeinde nach Lösungen, Energie zu sparen und auf erneuerbare Energieträger umzustellen. Der Gemeinderat befasste sich in der Sitzung am Dienstag (13.09.) damit, welche Möglichkeiten in kommunalen Gebäuden und Einrichtungen bestehen.

Wie Bürgermeister Florian Hölzl erläuterte, ist geplant, die komplette Straßenbeleuchtung (betrifft 1.032 Brennstellen) auf energiesparendes LED umzustellen. Der Auftrag wurde bereits an das Bayernwerk zum Preis von 486.722,27 Euro brutto vergeben. Dafür erhält die Gemeinde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz eine Förderung in Höhe von 128.351,00 Euro (Höchstbetrag). Die Umrüstung beginnt im Frühjahr 2023. Dadurch können voraussichtlich rund 249.000 kWh im Jahr eingespart werden und die Investition amortisiert sich nach nur 6,5 Jahren, bei steigenden Stromkosten entsprechend schneller.

Hölzl betonte, es werde versucht, im Verwaltungsweg darüber hinaus kleine Maßnahmen schnell umzusetzen. So wird – nach gesetzlichen Vorgaben – die Temperatur in öffentlichen Gebäuden (außer Kindertagesstätten und Schulen) auf maximal 19 Grad reduziert. Außerdem sollen die Einstellungen kommunaler Heizungen gecheckt, Gebäudebeleuchtungen am Abend und in der Nacht abgestellt sowie gemeindliche Brunnen vorzeitig Ende September ausgeschaltet werden. Für die Christbäume sollen LED-Lichterketten beschafft und der Schaltrhythmus der Weihnachtsbeleuchtung optimiert werden.

Ziel der Gemeinderatsbehandlung war es, über die aufgezählten Maßnahmen hinaus ein Arbeitspaket zu schnüren, das die Marktverwaltung abarbeiten kann, um kurz-, mittel- und langfristig bei der Bewirtschaftung kommunaler Liegenschaften weniger Energie zu verbrauchen, einen höheren Eigenversorgungsgrad zu erreichen und den Anteil fossiler Energieträger zurückzudrängen. Dazu hatte die Marktverwaltung einige Vorschläge ausgearbeitet, mit denen sich die Kommunalpolitiker einverstanden zeigten. Dazu nachfolgend im Einzelnen:

Um die Energieeffizienz kommunaler Gebäude zu verbessern, ist angedacht, auf Basis der Untersuchungen der Hochschule Landshut im Rahmen des Niederbayerischen Energieeffizienznetzwerks öffentliche Gebäude zu dämmen und deren Beleuchtung auf LED umzustellen.

Außerdem soll gemeinsam mit einem Fachplanungsbüro geklärt werden, welche kommunalen Gebäude sich für eine PV-Nutzung eigenen, um im Strombereich einen höheren Level an Energieautarkie zu erreichen.
Die Marktgemeinde, die bei der Wärmeversorgung ihrer kommunalen Gebäude derzeit auf Erdgas zurückgreifen muss, möchte insoweit mittel- und langfristig auf klimaneutral erzeugte Wärme umsteigen. Vorzugsweise wird diese regional durch Biomasse oder die Abwärme des grünen Elektrolyseurs gewonnen. Die Verwaltung schlug daher vor, Ausschreibungsunterlagen für eine Konzessionsvergabe und den Bezug klimaneutral erzeugter Wärme zu erstellen. Zunächst soll geprüft werden, ob Anbieter am Markt sind, die an einer entsprechenden Versorgung interessiert sind. Dabei sei es entscheidend, dass Anbieter auch privaten Anliegern oder Gewerbetreibenden entlang der Trasse des Nahwärmenetzes einen Anschluss ermöglichen und eine Erweiterungsoption des Netzes auf Wohn- und Gewerbegebiete besteht. Nur so könne man eine „Wärmewende“ über die gemeindlichen Liegenschaften hinaus vorantreiben, betonte Hölzl. Erfolgreich wurden solche Wärmeversorgungsstrukturen ausgehend von Biogasanlagen – zum Beispiel in Oberlauterbach, Sachsenhausen und Rainertshausen – bereits realisiert.

Dass hier ein massives Einsparpotenzial vorhanden ist, wurde deutlich, als die Zahlen zum Strom- und Wärmeverbrauch der kommunalen Gebäude und Einrichtungen im vergangenen Jahr präsentiert wurden. Über diese zum Teil sehr hohen Verbräuche war Hermann Dürmeyer (CSU) verwundert und appellierte, diese zu analysieren und zu senken. Der Verbrauch könne möglicherweise etwa durch Zeitschaltuhren, die zügig und ohne großen Aufwand eingebaut werden könnten, reduziert werden. Robert Mora (Grüne) schlug vor, im Bedarfsfall einen Energieberater beizuziehen. Zum Beispiel beim Feuerwehrgerätehaus Pfeffenhausen erachtetet er das als erforderlich.

Auch in der Kläranlage, die im vergangenen Jahr rund 6.800 Liter Heizöl und rund 279.600 kWh Strom benötigte, sieht die Verwaltung viele Energiesparmöglichkeiten. So ist angedacht, ein Fachplanungsbüro mit der Ausarbeitung eines Energiekonzepts zu beauftragen – auf Basis einer vorliegenden Masterarbeit und Analysen im Zusammenhang der Mitarbeit im Niederbayerischen Energieeffizienznetzwerk der Hochschule Landshut. Dabei soll schwerpunktmäßig an der Dimensionierung eines Blockheizkraftwerks gearbeitet werden, um das anfallende Klärgas für die Strom- und Wärmeerzeugung nutzbar zu machen. Auch Photovoltaik soll in das Energiekonzept eingearbeitet werden.

Dem Marktgemeinderat gefielen wie erläutert die Vorschläge, sodass er das Arbeitspapier einstimmig befürwortete. Ruth Müller (SPD) regte außerdem für die Umsetzung dieser Maßnahmen an, ein genossenschaftliches Bürgernetzwerk zu gründen.

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