

„Dass Starkregen- und Hochwasserschutz zusammen betrachtet werden, ist ein in dieser Form neuer, aber grundlegender Ansatz, um die richtigen Maßnahmen ergreifen zu können“, sagte Bürgermeister Florian Hölzl einführend. Im Rahmen einer Pilotförderung wird das Konzeptpapier auch mit Zuwendungen des Freistaats Bayern bedacht.
Brodrecht rief den Räten in Erinnerung, dass die Ausarbeitung in die Arbeitspakete Bestandsanalyse, Gefahrenermittlung, Gefahren- und Risikobeurteilung sowie konzeptionelle Maßnahmenentwicklung untergliedert sei. All das münde in ein Sturzflut-Risikomanagement. Unter Berücksichtigung von Bodennutzung, Einzugsgebieten, Geländeverläufen und der Leistungsfähigkeit vorhandener Gräben mit Durchlässen und Verrohrungen seien Starkregengefahrenkarten erstellt worden. „Mithilfe dieses digitalen Modells können wir nun Regenereignisse simulieren und bringen damit in Erfahrung, welche wasserführenden Systeme ab wann überlastet sind und inwiefern bestimmte Bereiche eingestaut werden“, fasste Brodrecht kompakt zusammen. Auch ließen sich mit Unterstützung des Modells die Auswirkungen baulicher Schutzmaßnahmen, zum Beispiel eines Dammbauwerks oder einer Retentionsmulde, simulieren und es könnten Aussagen getroffen werden, inwiefern sich die Einstauhöhen infolge geplanter Maßnahmen verändern.
Zu den Schutzmaßnahmen gehörten nach Brodrechts Worten aber nicht nur technische Schutzmaßnahmen der Gemeinde. Nur wenn gleichzeitig Informations- und Flächenvorsorge betrieben und an Strukturen für ein Krisenmanagement gearbeitet werden würde, sei man ganzheitlich unterwegs. Im Rahmen der Informationsvorsorge sollte privaten Gebäudeeigentümern mit den Starkregengefahrenkarten aufgezeigt werden, welche Gefahren ihnen aktuell drohen. Dem dient eine Bürgerinformationsveranstaltung, welche die Gemeinde in Bälde in Oberlauterbach abhalten will. „Nur wer gut informiert ist, kann auch seiner im Wasserhaushaltgesetz angelegten Pflicht zur Eigenvorsorge gerecht werden“, brachte es Brodrecht auf den Punkt. Zentral sei dabei, Wasserzutrittswege zu identifizieren, wobei er besonders auf Lichtschächte, Kellerabgänge und Kanalleitungen einging. Mithilfe von Rückstauklappen, Lichtschachterhöhungen und mobilen Schott-Systemen ließen sich oftmals durch Gebäudeeigentümer spürbar und schnell Optimierungen erzielen.
Bevor der Referent auf die technischen Schutzmaßnahmen zu sprechen kam, ging er auf die Bedeutung des Unterhalts von Graben- und Entwässerungssystemen ein. Bürgermeister Hölzl flocht ein, dass nach den erfolgten Bankettfräs- und Mäharbeiten in den nächsten Wochen Gräben im Untersuchungsgebiet mit einem speziellen Muldenbagger geräumt und Durchlässe gespült werden sollen.
Bei den technischen Schutzmaßnahmen, so Brodrecht, würde zwischen Umleiten, Durchleiten und Zurückhalten unterschieden werden, wobei Rückhaltung und gedrosselte Ableitung im Fokus stünden. Konkret habe sich vor Ort gezeigt, dass wild abfließendes Wasser aus Richtung der westlich von Baldershausen gelegenen Feld- und Waldfluren mitsamt überlasteter Verrohrungen, die sich als Flaschenhals entpuppen und zu Rückstauungen führen, das Grundproblem sei. „Infolgedessen tritt schon im Bereich Baldershausen Wasser auf die unter Niveau des Bauchlaufs liegende Kreisstraße aus, die dann gleichsam eines Flusses Wasser in Richtung Oberlauterbach befördert“, schilderte Brodrecht die Ist-Situation.
Sowohl mit Durchlasserweiterungen zur Verbesserung des schadlosen Abflusses wie auch mit Rückhaltesystemen hat sich das beauftragte Büro im Vorfeld der Marktgemeinderatssitzung beschäftigt. Priorisiert wird von den Fachplanern im Ergebnis ein dezentrales Rückhaltesystem. Zum einen sollten bereits vor Baldershausen linkerhand und rechterhand der Kreisstraße kaskadenartig Rückhalteeinrichtungen geschaffen werden, um den Zulauf zum Baldershausener Graben schon vor der ersten Bebauung zu drosseln. Teil des Ansatzes sind ferner ein Dammbauwerk mit Abflussdrosselung westlich von Baldershausen wie auch die Schaffung zusätzlichen Rückhaltevolumens entlang der Grabensysteme westlich von Baldershausen und Oberlauterbach.
„Mit den vorgeschlagenen Maßnahmen erreichen wir bei einem 100-jährlichen Regenereignis keinen Vollschutz. Jedoch werden sich die Einstauhöhen nach unserer Simulation drastisch verringern. Nimmt man an, dass zusätzlich eine zu klein dimensionierte Verrohrung in Oberlauterbach aufgeweitet wird, liegt der Rückgang bei den Einstauhöhen bei rund einem Meter“, bilanzierte Brodrecht.
Betrachtet worden ist auch ein zentrales Rückhaltesystem zwischen den beiden Ortschaften, wobei die Empfehlung lautet, hiervon Abstand zu nehmen und stattdessen, wenn Grunderwerb möglich ist, das dezentrale System weiterzuverfolgen. Dies deshalb, weil sich mit dem zentralen System kein Schutz für Baldershausen erwirken lasse und dieses in der Umsetzung aufgrund der tiefer liegenden Kreisstraße technisch äußerst komplex sei. Vorschläge zur Landbewirtschaftung und zum Verklausungsschutz rundeten den Vortrag ab.
Die Räte, die um punktuelle Ergänzungen baten, hießen das Konzept einhellig für gut und beauftragten die Verwaltung, dieses nun mit dem Wasserwirtschaftsamt abzustimmen. Zu klären sei insbesondere, welche Genehmigungsverfahren für welche technischen Einrichtungen durchlaufen werden müssten und wie es um Fördermittel bestellt sei. Dann müssten die Bürger wieder auf Stand gebracht und mit Grundeigentümern Gespräche geführt beziehungsweise fortgesetzt werden.